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Ehevorbereitung

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Mardorf

Die Orgel

Einige Gedanken zum Umgang mit vorhandenen Instrumenten

Prof. Hans-Jürgen Kaiser

Die Orgel ist unbestreitbar eines der faszinierendsten und komplexesten Musikinstrumente, die wir kennen. Es ist auch ein Instrument, dessen Geschichte über 2000 Jahre zurückreicht und das über die vielen Jahrhunderte gravierende musikalische und technische Veränderungen erfahren hat.

Bei der Neuausstattung von Kirchenräumen mit neuen Orgeln wird oft und gerne argumentiert, dass die relativ hohen Investitionskosten hierfür sich durch die Langlebigkeit des Produkts rechtfertigen. Tatsächlich können Orgeln über Jahrhunderte überdauern, manchmal nicht in allen Teilen aber in vielen Fällen in ihrem wesentlichen Bestand. Daher kennt man auch in der breiten Öffentlichkeit sehr bedeutende Orgelbauer, deren Werke auch für nicht dezidiert Orgelinteressierte von großem touristischem Interesse sind. Namen wie Schnitger in Norddeutschland oder Silbermann im Elsaß (oder Sachsen – es gibt zwei Brüder, Andreas und Gottfried) sind auch vielen Nichtmusikern bekannte Begriffe. Fast überflüssig ist es anzumerken, dass deren Instrumente bereits vor mehreren Jahrhunderten gebaut wurden.

Andererseits ist festzustellen, dass viele Orgeln bereits nach einer Generation umgebaut, verändert oder manchmal sogar ganz entfernt werden. Dies hängt oft von technischen Entwicklungen oder auch vom musikalischen Geschmackswandel ab. Manchmal hatte man auch einfach einen schlechten Orgelbauer beauftragt. Leider wird aber allzu oft nicht die eigentliche Substanz des Instrumentes wirklich geprüft sondern aus kurzfristigen Interessen heraus der Langzeitaspekt vernachlässigt.

So war auch in Mardorf zunächst längere Zeit der Neubau eines Instrumentes im Gespräch. Dem Mitarbeiter der Firma Woehl, Kilian Gottwald, ist zu danken, dass im Verlaufe der Maßnahme mehr und mehr über dezidierte Kosten-Nutzen-Rechnungen und die Möglichkeiten einer Sanierung und Aufwertung des vorhandenen Instrumentes nachgedacht wurde. Der Begriff Sanierung ist hier in einem umfassenden Sinne zu verstehen. Das Instrument ist nicht so geschlossen und hochwertig, dass man eine „Restaurierung“ im eigentlichen Sinne angehen konnte, wenngleich historische Substanz vorhanden ist, die wieder mehr zur Geltung kommen soll. In Mardorf war eher eine kreative Lösung im Umgang mit dem vorhandenen Material gefragt. Durch Registerumstellungen, -ergänzungen und eine komplette technische Sanierung des Instrumentes ergaben sich so völlig neue Perspektiven, die zu einem Konzept führten, das die vorhandene Substanz vollkommen neu interpretiert und den Zuhörer am Ende überraschen wird. So wird nach der Umarbeitung das Klangbild deutlich an Fülle und Gravität, aber auch an Brillanz gewinnen. Betont werden sollte hier die neue Prinzipalchorintonation, die Aufwertung des Schwellwerks, was die Darstellung von Orgelmusik aus der Romantik begünstigen oder erst ermöglichen wird und die neue Pedalbasis, ein Untersatz 32’, der für die Mardorfer ein ganz neues „Orgelerlebnis“ garantieren wird. Dies alles wird auch durch die neu eingefügten technischen Hilfsmittel, die Sub- und Superkoppeln begünstigt. (siehe Dispositionsaufstellung)

Damit kann vorhandene brauchbare Substanz gesichert, der historische HelbigBestand (Pfeifen und Gehäuse von 1862) wieder aufgewertet und ein Resultat erreicht werden, das den ursprünglichen Wunsch nach einer „neuen Orgel“ ohne Zweifel befriedigt.

Um Fehlinterpretationen vorzubeugen: Es gibt in der Orgelgeschichte ganz herausragende Beispiele von Überformungen von vorhandenen Orgeln, beispielsweise sind einige der ganz herausragenden Instrumenten von Cavaillé-Col in Frankreich durch Überformung von Cliquot-Orgeln entstanden. In diesem Falle ist natürlich das künstlerische Niveau der Ausgangssubstanz ein ganz anderes. Allerdings bleibt die Vorgehensweise die gleiche.

So zeigt dieses Beispiel sehr plastisch und eindrucksvoll, dass es oft für das „Neue“ förderlich ist auf vorhandenem aufzubauen, die Arbeit und Leistung der früheren Generation sorgfältig zu würdigen, und darauf aufbauend etwas Neues zu schaffen, das sich in die historische Entwicklung wirklich einbettet.

Hans-Jürgen Kaiser
August 2008

 

Neuorganisation und Teilrestaurierung der Orgel

Die Renovierung der prächtigen Barockkirche St. Hubertus, Amöneburg-Mardorf fand mit den Arbeiten an der Orgel ihren krönenden Abschluss. Das bestehende Instrument der Fa. Schmidt, Gelnhausen war nicht nur verschmutzt, sondern hatte klanglich den Anforderungen an das liturgische Orgelspiel wohl nie optimal entsprechen können. Nach Vorschlag der renommierten Orgelbauwerkstatt Woehl, Marburg, wurde das erst gut dreißig Jahre alte Instrument daher vollständig überarbeitet und erweitert.

Ziel war es, unter größtmöglicher Verwendung des substantiell guten Bestandes dem Instrument einen volleren, warmen und gleichermaßen kraftvollen wie poetischen Klang zu geben. Das Tonnengewölbe über der Orgel ist dafür akustisch überaus günstig. Ein besonderer Glücksfall war es, dass innerhalb des Werkes ein historisch wertvoller Pfeifenbestand entdeckt wurde, der möglicherweise noch aus der Barockzeit stammt und vielleicht von Friedrich Helbig 1862 aus der Vorgängerorgel von Daniel Mütze (1720) übernommen worden war. Diese Pfeifen des sog. „Prinzipalchores“, also die Hauptstimmen einer Orgel, rücken mit ihrem klaren, singenden Klang nun wieder sorgfältig restauriert in den Mittelpunkt. Durch die Aufmerksamkeit des Verwaltungsrates fanden sich im Kirchturm einige alte Pfeifen einer „Gambe“. Diese zart streichende Stimme konnte ebenfalls restauriert und vervollständigt werden. Eine zweite, neue Pfeifenreihe namens „Unda maris“ („Meereswoge“) bringt diese Gambe in ein wunderbar malerisches Beben. Darüberhinaus wurde auch eine Querflötenstimme eingebaut, die ganz ähnlich dem gleichnamigen Orchesterinstrument klingt. Auch der Bassbereich der Orgel wurde mit einer markanten Trompete, mit neuen Posaunenpfeifen aus Kiefer, die aus dem Dach herausragen und mit einer abgrundtiefen 32‘- Stimme ausgebaut. Ein insgesamt deutlich höherer Winddruck sorgt für Glanz und Festlichkeit.

Insgesamt besitzt die Orgel nun 5 neue, 11 völlig umgeänderte und 10 überarbeitete Register. Durch den Einbau von sog. Oktavkoppeln können die vorhandenen Stimmen oktavversetzt miteinander kombiniert werden. Somit entstehen noch weitere schöne Klangfarbenkombinationen.

Durch diese klangliche Neuausrichtung steht den Organisten und somit vor allem den Gottesdienstbesuchern nunmehr ein außerordentlich farbenreiches Instrument zur Verfügung für eine erbauliche und andächtige Kirchenmusik.

Kilian Gottwald

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